Ich erblickte am 13. November 1953 um 9.20 Uhr das Licht der Welt und machte noch im selben Moment das erste Mal Bekanntschaft mit zwei von drei Dingen, die auch noch heute zu den natürlichen Todfeinden des Musikers gehören: Tageslicht und frischer Luft.
Meine Kindheit und Jugend verlief eigentlich sehr gradlinig:
Alles, was auch nur im Entferntesten aus dem Rahmen sprang, erregte sofort meine ungeteilte Aufmerksamkeit.
So kam es, dass es während meiner exzessiv zügellosen Pubertät eine Zeit gab, in der das rüpelhafte Benehmen der dorfeigenen Fahrrad-Rocker-Bande eine derartige Faszination auf mich ausübte, dass ich viele laue Sommernächte unter diesen Gesetzlosen verbrachte, nur um zu lernen, wie man es schafft, ohne Anlauf weiter als drei Meter zu spucken.
Um der Entwicklung zum Kleinkriminellen rechtzeitig vorzubeugen, besann sich der Familienrat der pädagogischen Werte musik-kultureller Errungenschaften, und so schenkte mir mein Onkel eine Gitarre mit den Worten: „Du musst jetzt fleißig üben, denn ich habe in drei Monaten einen Auftritt für uns klargemacht!”
Sein grenzenloses Vertrauen in meine Fähigkeiten hätten mich eigentlich stutzig machen müssen ...
Aber da ich es spucktechnisch mittlerweile auf drei Meter vierundzwanzig brachte, kniete ich mich, angesichts der Aussicht auf zahllose Groupies und die in Zukunft zu erwartenden Millionen, bis über beide Ohren in dieses Projekt.
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Die Tornados - früher hießen Bands so |
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Was dann kam, konnte so von niemandem vorausgesehen werden:
Nachdem der erste Gig im zarten Alter von „fast 16” reibungslos über die Bühne gegangen war, fesselte mich die Gitarre so sehr, dass ich ungefähr 423 Stunden am Tag mit ihr verbrachte.
Dieses wiederum hatte zur Folge, dass meine schulischen Leistungen katastrophal ins bodenlose Nichts stürzten.
Irgendwie war das dem Familienrat auch wieder nicht recht - aber ich war derart infiziert, dass man wohl insgeheim beschlossen haben muss, sich nie wieder in das Leben anderer Menschen einzumischen ...
Wie ich trotzdem geschafft habe, mein Abi zu bauen, ist mir bis heute ein Rätsel.
Das anschließende Graphic-Design-Studium mit Tuberkulose-Unterbrechung (»gestern noch in Saus und Braus - heute schon im Heidehaus«) und Diplom im Jahr 1985 konnte mich dann auch nicht wirklich richtig begeistern.
Mein Platz war halt eben eher auf irgendwelchen Bühnen.
Dabei lernte ich im Laufe der Jahre viele großartige Menschen kennen, schätzen und lieben.
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Byrds Passing By - Nomen est Omen |
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Es sprengt jedoch mit Sicherheit den Rahmen dieser Seite, jede einzelne Combo, jede Session oder Anekdote im einzelnen aufzuführen.
Dafür gibt es unten eine Zusammenstellung von Musikern, die aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken sind, und mit denen mich viele schöne, aber hin und wieder auch weniger schöne gemeinesame Erlebnisse verbinden.
Unzählige unvergessene Stunden habe ich im „Leine-Domicil” verbracht, das ich hier nicht unerwähnt lassen will, und das mir über lange Zeit fast zu einem zweiten Zuhause geworden war.
Hier gab es jeden Abend Live-Musik: von der lokalen bis zur internationalen Szene, durch sämtliche Stilrichtungen, durch alle Altersgruppen und alle Qualitätsebenen.
Die Preise waren Schüler- und Studentenfreundlich.
Bei richtig großen Acts musste man dann aber doch schon mal so DM 8.- hinblättern. Zum Beispiel gab's da mal 'ne ganz weltberühmte Gruppe, die aus Platzgründen nur unter dem Namen „SNOIPROCS” auftreten konnte ...
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Together (to get her)oben: Wolfgang Rogall, Thorsten Raabe, unten: Gero Drnek, Wolfgang Eppinger, Achim Brandes |
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Nicht zu toppen war der Musiker-Rabatt! - aber ob man vom normalen Eintrittspreis nur noch zwei Drittel oder sogar nur noch die Hälfte bezahlen musste, weiß ich heute nicht mehr ...
An der Kasse saß die bezaubernde Scarlett ... - na ja - und ich merke gerade, wie ich wieder ins Schwärmen komme ...
Kurz und gut: es war ein unglaublicher Ort der Begegnung über Alters- und Stilgrenzen hinweg - ein echter Musiktempel also, an dem sich sogar auch (heute hoch dotierte) „Klassiker” wie Thomas Quasthoff nicht zu schade für eine Session waren.
So einen Club sollte es zu jeder Zeit und in jeder Stadt geben!
Danke, Waldi (you know)! Danke, Bernd!
Erwähnenswert finde ich auch Ingrid und Detlef Klamanns „Music-Corner”, dessen Ära im Sommer 2008 zu Ende ging.
Ohne die Großherzigkeit der Beiden hätte ich viele Ziele nicht erreichen können, so mancher Traum wäre auf der Strecke geblieben und »fancy Dan« zum Beispiel hätte es gar nicht erst gegeben.
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Patchwork. Début-Konzert im Lister Turm |
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Im Sommer 1998 ergab sich durch die Zusammenarbeit mit den Lindener Narren die Möglichkeit, ein kleines Tonstudio (-mind your head!-) einzurichten, aus dem heraus ich die Audio-Playbacks für einige Samstagabend-TV-Shows (1999-2002/2009) auf NDR 3 erstellt habe.
Aus dem damaligen Graphic-Design-Studium ist - abgesehen vom gelegentlichen Web-Design - nur noch meine alte Liebe zur
Photografie übriggeblieben, die mir nach wie vor viel Freude bereitet.
Tja, und viel mehr gibt's eigentlich auch nicht zu erzählen.
Und wer sich bis hierhin gefragt haben mag, welches wohl der dritte Todfeind des Musikers sein mag: es ist das unerträgliche Gebrüll der Vögel am frühen Morgen ...
TORNADOS (1969-1976): Gundi Weihrauch, Horst (The Tone) Weihrauch, Dieter Berne, Dieter Lippel
FARETHEEWELL (1971-1973): Jörg Ronnenberg, Sigrid Höhne, Aki Decker, Sabine Barth, Martina Witt, Doris Langner, Sabine Georg, Rudolf (Uggi) Breske
SCARABÄUS (1973): Michael Grosse, Karsten Helmbold, Hans-Jürgen (Hannes) Arkona, George Waszkiewicz
BYRDS PASSING BY (1974-1976): Sabine Barth, Otto Dempwolff, Doris Morgenstern
DOPPELGÄNGER (1976): Manfred Flathe
SOLOKONZERTE (1976-1977)
FRED SMITH (1976-1978): Rainer Mohaupt, Aki Decker
GMBH & BLUES KG (1977): Gero Drnek, Karsten Helmbold
TOGETHER (1978-1981): Gero Drnek, Wolfgang Rogall, Thorsten Raabe, Achim Brandes
L (1978-1979): Rainer Przywara, Thomas Schwarze, Thomas Bingel, Steffen Krumm, Doris Morgenstern
PATCHWORK (1980-1984): Doris Morgenstern, Ingolf Drnek, Winfried Guba, Michael Rittmeier, Katya Maria Schröder, Andreas von Hoerde
MORINOS (1983-1989): Horst Segeth, Edmund Gedamke, Horst (Lotte) Dörges, Heiner Reitemeier, Karl-Heinz Henze
CASA BLANCA (1988-1994): Manuela Bürgel, Daniela Döpke, Christine Eppinger, Michael Rittmeier, Thomas Winko, Rainer Martinke, Rainer Lippel, Andreas Stockmann, Ralf Drefke, Winnie Martin
FANCY DAN (1994-dato): Marieluise Gömmel, Christine Eppinger, Hubertus Feldmann
THE INCREDIBLE AMAZING SONGLINER (2005-dato): Peter-René Töttger, Christoph Gebhardt
MULLIN DHU (2005-2008): Michael Keutner, Kurt Franke, Christoph Gebhardt, Hans Lampe, Christine Eppinger, Ruth Kümmel, Jürgen Dismer
JAZZ BUDDIES (2006-2009): Gerd Janus, Hans-Otto Janus, Klaus Cordemann, Udo Weihrauch, Lothar Krist
Zwischendurch immer mal wieder Sessions, Kleinprojekte und Gigs mit:
Hasso Anhoeck, Claudia Beckerath, Christian Boy, Peter Brauckmann, Tibor Cselovszky, Ferdy Doernberg, Jürgen Domagalski, Armin Eichenhardt, Armin Engelke, Daniel Fernholz, Klaus Heydenreich, Hajo Hoffmann, Arne Hollenbach, Béatice Kahl, Hilmar Kahl, Heiko Kamann, Christoph Knop, Elsa & Kurt Krause, Michael Krowas, Waldemar Krucinski, Achim Kück, Werner Lämmerhirt, Jochen Leifeld, Jutta van Lessen, Thomas Martin, Frank Ortmann, Jürgen Schöffel, Thomas Seidel, Wolfgang (Moppel) Stahr, Wolfgang Stilke, Volker Stroka, Andreas Stumm, Pam »Burgundaprinzessin« Tschenscher, Norbert Weigend, Gerd Wennemuth, Christian Wenner, Angela Wulf.
Wahrscheinlich wird es einige Menschen geben, die ich in dieser Aufzählung vergessen habe. Also, bitte meldet euch! - es wäre schön, mal wieder von euch zu hören ...